Zwanzger – Herkunft & Bedeutung

Die 20er (gesprochen: Zwanzger) haben in Schömberg eine tragende Rolle bei der Organisation und Durchführung der Fasnet.

„Ohne Zwanzger wär des z’Schömberg gar nix!“

Dieses oder ein ähnliches Zitat wird man wohl aus dem Mund eines jeden Schömbergers hören, wenn man ihn auf eine Fasnet ohne Zwanzger ansprechen würde. Denn in keinem anderen Ort gibt es ein derartig ausgeprägtes Jahrgangsleben wie in Schömberg.

Früher wurde der Jahrgang der 20-jährigen für das Militär rekrutiert. Der sog. „Rekrutenjahrgang“ waren also die Zwanzger, welche ein letztes Mal an ihrer Zwanzger-Fasnet vor der Einberufung auf den Putz gehauen haben. Bilder von einer Fasnet vor dem Ersten Weltkrieg zeigen schon die Zwanzger.

Nachdem 1922 die Narrenzunft gegründet wurde, wurde in der Satzung festgehalten, dass die Zwanzger zu den Sitzungen des Narrenrates eingeladen werden und diese in beratender Funktion daran teilnehmen dürfen. Dies wurde bis heute nicht geändert und so ist immer eine Abordnung der Zwanzger und mittlerweile auch der 19er bei den Sitzungen dabei.

Das Jahrgangsleben in Schömberg beginnt mit ca. 14 Jahren. Erstmals in Erscheinung treten viele Jahrgänge bei einer gemeinsamen Maiwanderung. Im darauffolgenden Jahr, wenn alle 14 waren, läuft der jüngste Jahrgang als 14er das erste Mal ums Facklafiar. Dies machen die Jahrgänge jedes Jahr bis sie 19er sind. Als 20er sind die Jahrgänge „Herr des Feuers“ und laufen als letzter Jahrgang ein vorerst letztes Mal ums Feuer.

Die Jahrgänge singen alte Rekrutenlieder wie „Oh Straßburg“, „Ein Wächterlein auf dem Türmlein saß“ und „Nun ade, jetzt geht’s zu Ende“, was auf die große Bedeutung der Rekrutenjahrgänge aus früheren Zeiten schließen lässt.

Häufig laufen die „runden“ Jahrgänge der 30er, 40er, 50er und seltener auch der 60er nochmals ums Facklafiar.

Im Jahr nach der ersten Facklafiar-Umrundung – also als 15er – geht der Jahrgang erstmals am Fasnetsamschdig gemeinsam Maschgera. Auch dies wird bis zur 20er-Fasnet jedes Jahr fortgeführt. Viele Jahrgänge sind auch nach der 20er-Fasnet noch gemeinsam unterwegs.

Das Jahr der Zwanzger


Die 20er-Fasnet beginnt inoffiziell am Aschermittwoch des Vorjahres um 0 Uhr. Denn ab diesem Zeitpunkt endet die Narrenfreiheit, welche seit dem 6. Januar galt und Fehltritte, Peinlichkeiten und Kuriositäten werden von den kommenden (neuen) 20ern akribisch festgehalten, damit sie im Narrenblättle der kommenden Fasnet abgedruckt werden können.

Viele – bis dahin noch – 19er sind am Pfingstmontag schon mit dem „Allabär“ unterwegs. Hier wird ein junger Mann des Jahrgangs komplett in Flieder eingebunden und von seinen Jahrgängern („Treiber“) durch die Gasthäuser in Schömberg getrieben. Die Tradition besagt, dass der Allabär somit den Sommer im Städtle einläutet. Häufig sind zwei, manchmal sogar drei Allabären an diesem Tag in Schömberg unterwegs, je nach dem, wie stark die Jahrgänge sind. Ab und zu schließen sich auch zwei Jahrgänge zusammen und treten gemeinsam auf.

„Allabär, romata, jetzt isch dr Sommer do! Jetzt isch dia scheeschte Zeit, wo mr dia Bära treibt!“

Die Zeit bis zur Generalversammlung

Offiziell Zwanzger ist der neue Jahrgang dann ab dem Herrgottstag (Fronleichnam). Die neuen 20er werden von den alten „getauft“. Hierzu treffen sich die Jahrgänge häufig nachmittags auf dem Marktplatz und taufen den neuen Jahrgang in einem Taufbecken. Früher, als der Narrenbrunnen noch auf dem Marktplatz stand, wurden die Neu-20er in diesem getauft.

Im Rahmen des Handballfestes, welches jährlich von der Handballabteilung der TG Schömberg veranstaltet wird, findet ein sog. „Prominentenspiel“ – meist auch „20er gegen 40er“ genannt – statt. Hier spielt der 20er-Jahrgang gegen die 40er Handball. Kurioserweise enden viele Spiele unentschieden und müssen in hochdramatischen 7-Meter-Werfen entschieden werden.

Häufig treffen sich die Jahrgänge heutzutage bereits im Sommer/Herbst zum Schlagen des Holzes für das Facklafiar, während früher dazu die Tage nach dem Aschermittwoch genutzt wurden.

Um den 11. November treffen die 20er nochmal auf ihren Vorgängerjahrgang zur Narrenkästle-Übergabe. Bei der Narrenkästle-Übergabe wird das Narrenkästle, in welchem die Schömberger ihre Narrenblättle-Geschichten den 20ern anonym zukommen lassen können, an die neuen 20er übergeben. Das Narrenkästle hängt ab den folgenden Tagen bis zum Redaktionsschluss des Narrenblättles (i. d. R. Ende Dezember/Anfang Januar) vor der „Alten Schule“. Früher hing es traditionell an der Zehntscheuer. Seit diese im Jahr 2010 jedoch grundlegend modernisiert wurde, hat sich der Platz geändert.

In der Zeit bis Weihnachten treffen sich viele 20er-Jahrgänge regelmäßig, um gemeinsam das Narrenblättle zu erstellen.

Fasnet – die heiße Phase

Richtig los geht es dann am 5. Januar. Die 20er eröffnen im Fransennarr und Fuchswadel gemeinsam mit der Stadtkapelle Schömberg zum ersten Narrenmarsch der Saison die Generalversammlung der Narrenzunft Schömberg.

„S’erscht Mol dr Narramarsch am fuffta Januar… do lauft’s dr eiskalt dr Buckel na!“

Am kommenden Dreikönigstag gehen die 20er in Schömberger Narrenhäuser zum Abstauben. Hier werden die bereitgelegten Larven und Häser vom Staub des letzten Jahres symbolisch befreit.

Ab dem 7. Januar geht der Narrenrat zu den Haussammlungen, um die Mitgliedsbeiträge einzuziehen. Jeder Narrenrat hat ein eigenes, fest zugewiesenes und i. d. R. jedes Jahr dasselbe Sammelgebiet. Häufig kommt der Narrenrat jedoch nicht allein in die Häuser, sondern ein oder zwei 20er begleiten ihn auf einem Teil seiner Runde. In Zeiten, in denen der Narrenrat personell nicht vollständig besetzt war, wurden 20er-Jahrgängen auch eigene kleine Sammelgebiete zugeteilt, für welche sie selbstständig verantwortlich waren.

Der erste Samstag nach der Generalversammlung und jeder weitere bis zur Fasnet, an dem keine anderen offiziellen Veranstaltungen der Narrenzunft stattfinden (z. B. der Besuch eines Narrentreffens oder der Zunftball), gehen die 20er zum Maschgera. Häufig werden Verkleidungen der vergangenen Jahre nochmals präsentiert.

Beim Zunftball – sofern dieser stattfindet – sind die 20er die „Headliner“ des Programms.

Bei den Narrentreffen und allen weiteren Umzügen während der eigentlichen Fasnet sind die 20er privilegiert, in den ersten Reihen voraus zujucken.

Am Schmotziga werden unter Leitung der 20er, welche die Einzelfiguren (Husaren, Harzer, Halbschwarzer, Blätzle und Warz‘) tragen, die Kindergärten und Schulen befreit. Des Weiteren führen sie am Mittag den Umzug und den kleinen Bolanes an.

Am Freitag nach dem Schmotziga ruht die Schömberger Fasnet. Doch die 20er sind häufig von den Husaren eingeladen. Beim „Husarenladen“ fragen die 20er bei den Husaren an, ob diese am Fasnetmedig die Umzüge und den Bolanes anführen.

Am Fasnetsonndig fungiert ein Teil der 20er als Ministranten in der Narrenmesse. Danach werden erstmals die Narrenblättle in allen Schömberger Häusern und auf der Straße verkauft. Ab Sonntag tragen die 20er auch Frack und Zylinder. Zwei der 20er sind am Sonntag Morgen als Herolde zu Pferd oder auf einer Kutsche durch Schömberg unterwegs und rufen die Fasnet aus. Danach sind sie wieder an der Front sämtlicher Umzüge bis einschließlich Dienstagabend.

„Naaaaarraaaaablääättleeeeeeeee…! `S Neischt vom Städtleeee!“

Die Zeit nach der Fasnet

Am Aschermittwoch ziehen die 20er nochmals in Frack und Zylinder durch die Stadt und besuchen sämtliche Gaststätten und Firmen. Dabei verteilen sie Heringe und Brot und nehmen diverse Spenden entgegen. Unzählige kleine Geschenke werden an einem großen Holzkreuz befestigt. Abends sind die 20er häufig noch zum traditionellen Hering- und Schneckenessen in den Gaststätten in Schömberg anzutreffen, bevor Frack und Zylinder endgültig abgelegt werden.

„Dr Äschrmittwoch isch dr scheescht Dag!“

Am Facklasamschdig, dem Samstag nach Aschermittwoch, laden die Männer der 20er ihre Frauen zum Facklafiar am kommenden Tag ein. Dies findet häufig in Verbindung mit einem Vesper o. ä. statt. Danach ziehen die Jahrgänge, die Männer der 14er bis 19er mit Strohhüten bekleidet, durch die Gasthäuser. Bereits als 14er, und natürlich in den kommenden Jahren, werden die Mädchen bereits eingeladen.

Am Facklasonndig wird um 9 Uhr das Facklafiar gemeinsam mit weiteren Helfern auf dem Festplatz beim Schulzentrum aufgeschichtet. Die 20er entzünden dieses nach dem Beten des „Engel des Herrn“ pünktlich um 18 Uhr. Nachdem alle Jahrgänge um das Feuer gelaufen sind, laufen die 20er ihre letzte Runde und verbrennen dabei all ihre Mottoschilder der Vorjahre, sowie das Holzkreuz.

„Jetzt mias’r mr 10 Johr warta, bis mer wieder rom laufa dirfat!“

Obwohl die Fasnet vorbei ist, haben die 20er noch weitere Aufgaben. In den Wochen nach der Fasnet sind die 20er häufig nochmals als Gruppe in den Schömberger Wirtschaften zu sehen, wo sie die Zeche der Fasnet bezahlen.

An Christi Himmelfahrt und am Herrgottstag tragen vier 20er die großen Kirchenfahnen bei den Prozessionen. Am Pfingstmontag sind die 20er erneut als „Allabär“ unterwegs. Am Nachmittag des Herrgottstags taufen die 20er den neuen Jahrgang und übergeben im November das Narrenkästle, was die letzte Aufgabe des Jahrgangs ist.

Neben den vielen amüsanten Veranstaltungen als 20er ist die 20er-Fasnet eine große Herausforderung und sehr viel Arbeit für den jeweiligen Jahrgang. Tausende Stunden der Vorbereitung werden für das Narrenblättle, die Organisation und die Absprache untereinander geopfert. Dennoch, 20er ist man nur ein einziges Mal und es gibt wohl keinen Schömberger, der über seine 20er-Fasnet ein schlechtes Wort verlieren kann!

„Zwanzger isch mr nau oa Mol! Ond des wird jede Sekond genossa!“

Der Stellenwert der 20er-Fasnet lässt sich spätestens dann erkennen, wenn man mit Schömbergern jenseits der Zwanzig spricht. Jeder erinnert sich gerne daran zurück und kann stundenlang darüber berichten. Der Jahrgang bleibt auch nach der 20er-Fasnet ein wichtiger Bestandteil für viele Schömberger und neben Maiwanderungen und regelmäßigen Treffen bleibt auch die Fasnet stets wichtig. Viele Jahrgänge gehen noch Jahre und Jahrzehnte später gemeinsam z. B. zum Maschgera oder nehmen gemeinsam an einem Bolanes teil.

Und auch wenn es Jahrgänger gibt, die Schömberg – aus welchen Gründen auch immer – verlassen, an der Fasnet kehren die Meisten zurück und das Gesprächsthema Nummer eins bei jedem Treffen ist die eigene 20er-Fasnet.