Das Facklafiar – in anderen Orten auch Fackelfeuer, Funkenfeuer oder einfach Funken – findet in Schömberg am Sonntag nach dem Aschermittwoch statt. Bedingt durch das stark ausgeprägte Jahrgangsleben in Schömberg beschränken sich die Aktivitäten nicht ausschließlich auf das eigentlichen Abbrennen des Feuers. Bereits am Samstag geht es los und der Samstag (Facklasamschdig) und Sonntag (Facklasonndig) haben sogar eigene Namen erhalten.

Facklasamschdig

Hexenbauen der Jahrgänge

Am Samstag nach dem Aschermittwoch treffen sich meist die jungen Männer und Burschen der Jahrgänge am frühen Nachmittag. Da die Jahrgänge im Jahr, nachdem alle vierzehn geworden sind, als 14er erstmalig ums Facklafiar laufen, treffen sich somit alle Jahrgänge von 14er bis 20er, sowie die 30er, 40er, 50er und seltener auch die 60er zum Hexenbauen.

Basierend auf einem Holzgerüst werden aus Stroh, Heu, alten Klamotten – oft aus Fasnetskisten – eine oder mehrere Hexen gebaut. Zudem baut und malt jeder Jahrgang ein Schild, auf welchem das Motto des aktuellen Jahres geschrieben steht. Inhaltlich wird häufig Bezug auf die vergangene Fasnet genommen. Die 14er weisen oft humoristisch darauf hin, dass sie das erste Mal dabei sind.

Die 20er helfen den Jüngsten immer beim Bau der ersten Hexen und beim Erstellen des Mottoschildes.

Jahrgangsabend

Am Abend des Facklasamschdig treffen sich die Jahrgänge – je nach Größe nochmals unterteilt in kleinere Gruppen. Die Männer laden ihre Jahrgängerinnen zum morgigen Facklafiar ein. Während dies früher eine eher kleineres Treffen, bei einzelnen Frauen war, wird heute zusammen gegessen. Meist bekochen die Frauen und Mädchen ihre Jahrgänger.

Danach treffen sich viele Jahrgänge wieder gemeinsam und besuchen die Schömberger Wirtshäuser. Bereits am Facklasamschdig haben die Männer und Burschen Strohhüte mit zwei Wollrosen (eine rote und eine weiße) an, welche gerne durch die Reihen laufen und von allen anderen unterschrieben werden. An der Front der Strohhüte prangt der Jahrgang (z. B. „90er“).

Facklasonndig

Der definitiv letzte Tag, der noch was mit der vergangenen Fasnet zu tun hat, ist der Facklasonndig.

Vorbereitungen zum Facklafiar

Am kommenden Morgen treffen sich die 20er und ein paar weitere Helfer auf dem Festplatz beim Schulzentrum in der Schillerstraße. Die Zwanzger haben bereits in den Sommer-/Herbstmonaten oder spätestens in den Tagen zuvor das Holz für das Facklafiar geschlagen. Dieses wird dann gemeinsam circa vier bis fünf Meter hoch aufgeschichtet. In der Regel werden ca. 15 bis 20 Festmeter Holz für das Facklafiar benötigt.

Oftmals haben die 20er bereits im Januar die ausgedienten Christbäume der Schömberger gesammelt, welche ebenfalls als Dekorierung für das Facklafiar verwendet werden. Auf der Spitze des Feuers wird eine Hexe oder ab und zu auch ein Christbaum aufgestellt, welche immer mal wieder mit einem Schild mit einer Botschaft versehen ist.

Am Nachmittag treffen sich dann auch die anderen Jahrgänge wieder, holen ihre Hexen und das Mottoschild aus dem Versteck und bringen es zur Kirche. Sobald die Hexen und das Schild an der Kirche abgestellt wurden, ist das Klauen untersagt. In Schömberg ist es beliebter Ritus, dass sich die Jahrgänge untereinander die Hexen oder Schilder klauen und sich teuer zurückkaufen lassen – meist in Form von Naturalien. Daher sind auch die Orte, an denen die Jahrgänge ihre Hexen am Facklasamschdig bauen, nur den Beteiligten bekannt. Zudem werden die Hexen und Schilder über Nacht gut versteckt und weggesperrt.

Der Weg zum Facklafiar

Ab 17 Uhr versammeln sich nach und nach die Schömberger auf dem Festplatz. Die Zwanzger bewirten mit Getränken und roter Wurst die zahlreichen Besucher.

Um Punkt 18 Uhr versammeln sich die Männer der 20er um das Facklafiar und beten nach dem Verstummen der Kirchenglocken den „Engel des Herrn“. Danach wird das Facklafiar entzündet und die Zwanzger stellen sich mit Heugabeln bereit.

Neben der Kirche auf Höhe vom Goaßahemml haben sich zwei 20er-Mädle in Stellung gebracht und schicken nach dem Betzeitläuten den ersten Jahrgang – in dem Fall die 14er – los auf den Weg zum Feuer. Ungefähr alle zehn bis fünfzehn Minuten läuft der nächst ältere Jahrgang los. Nach dem 19ern folgen die 30er, 40er, 50er und ggf. 60er.

Auf dem Richtung Festplatz haben sich weitere Damen der Zwanzger versammelt und halten die Jahrgänge kurz mit einer kleinen Stärkung auf. Die Jahrgänge singen während ihres Marsches bereits die Facklasonndigslieder und werden den 20ern ermutigt, diese lauthals zu singen.

Nach circa 500 Metern erreichen die Jahrgänge den Festplatz und nachdem der vorherige Jahrgang den Platz ums Feuer verlassen hat, beginnen die Runden ums Feuer.

Auf dem Festplatz

Die Jahrgänge laufen gemeinsam zum Lied „Oh Straßburg“ gegen den Uhrzeigersinn ums Facklafiar. Die Mädchen und Frauen laufen dabei nur eine Runde, die Buben und Männer solange bis alle Strophen des Liedes gesungen wurden. Die zusehenden Schömberger singen vor allem bei den jüngeren Jahrgängen, die meist etwas Unterstützung brauchen, kräftig mit. Ab und zu haben die Jahrgänge auch Waschbretter oder andere Instrumente wie ein Akkordeon dabei.

Sobald das Lied zu Ende ist, werden die (Stroh-)Hüte der abgenommen und es wird „Nun ade, jetzt geht’s zu Ende“ gesungen. Danach werden die Hexen ins Feuer geworfen. Das Mottoschild der 14er bis 19er wird nicht verbrannt, sondern bis zur 20er-Fasnet aufgehoben. Die älteren Jahrgänge verbrennen auch ihr Mottoschild.

Danach wird das Lied „Ein Wächterlein auf dem Türmlein saß“ gesungen und die Buben und Männer laufen eine weitere Runde ums Feuer. Dabei „sammeln“ sie die Mädchen und Frauen wieder ein und verlassen das Facklafiar.

Die 19er als nächstjährige 20er singen statt dem Wächterlein „Jetzt fängt das schöne Frühjahr an“ und nehmen damit bereits Bezug auf das kommende Zwanzgerjahr. Zudem werfen sie ihre Strohhüte nach „Nun ade, jetzt geht’s zu Ende“ ins Feuer.

Dieser Ablauf ist bei allen Jahrgängen identisch. Sobald der letzte Jahrgang das Feuer verlassen hat, sind die Zwanzger am Zug. Sie tragen neben einer oder seltener auch mehreren Hexen das Holzkreuz vom Aschermittwoch, sowie alle Mottoschilder der letzten sechs Jahre ums Feuer und verbrennen alles am Ende.

Facklafiar (Fackelfeuer) in Schömberg

Der Abend des Facklasonndig

Die „Zeremonie“ des Facklafiars dauert meist ungefähr anderthalb Stunden. Danach leert – je nach Wetter – der Festplatz relativ zügig und viele Schömberger gehen in die Wirtshäuser. Die jungen Jahrgänge (14er bis 19er) versammeln sich seit vielen Jahren im Waldeck zum Essen. Die älteren Jahrgänge verteilen sich auf die anderen Gasthäuser.

Nur die Zwanzger und ein paar vereinzelte Nicht-20er bleiben am Feuer und bewachen dies die ganze Nacht. Dabei werden Lieder gesungen und es wird sich rege über die vergangene Fasnet unterhalten. Die ein oder andere Träne rollt auch hier nochmals über die Wangen, denn mit dem Facklafiar ist die 20er-Fasnet und alle damit verbundenen Privilegien zumindest offiziell zu Ende.

Viele der jungen Jahrgänge zieht es nach dem Essen nochmals zum Festplatz und sie laufen erneut singend um das Feuer. Einige verbringen gemeinsam mit den Zwanzgern noch weitere Stunden am Feuer, andere gehen nach und nach dann auch nach Hause, schließlich beginnt spätestens am kommenden Morgen wieder der normale Alltag.