Die Fasnet in Schömberg zählt sich zur schwäbisch-alemannischen Fastnacht.
Den Begriff „Fastnacht“ nutzt man in der Regel jedoch nicht. Weder umgangssprachlich noch offiziell. In Schömberg heißt sie Fasnet – alternative Schreibweise auch Fasnat, jedoch gleich ausgesprochen. Ab und zu auch Fasnacht. Nie jedoch Karneval oder Fasching.

Obwohl sämtliche schwäbisch-alemannische Narrenzünfte ihre Fasnet strikt nicht als Karneval bezeichnen, ist die Herkunft grundsätzlich ähnlich und hat sich erst Anfang des 20. Jahrhunderts abgegrenzt. Auch der Fasnetsforscher Prof. Dr. Werner Mezger konnte auch schon bei einer Veranstaltung in Schömberg zeigen, dass es auch im schwäbisch-alemannischen Raum früher Veranstaltungen gab, die mit dem Begriff Karneval bzw. Carneval geworben haben.

Besonderheiten der schwäbisch-alemannischen Fastnacht

→ siehe auch:  Ablauf in Schömberg

Trotz allem, ist die schwäbisch-alemannische Fasnet eine eigene Tradition. Neben dem sehr stark variierenden, örtlichen Brauchtum, zeichnet die schwäbisch-alemannische Fasnet besonders

  • die in jedem Ort andere, aber jährlich stets gleiche Verkleidung,
  • die komplette Unkenntlichmachung des Hästrägers insbesondere durch eine Holzlarve (Holzmaske) und
  • den traditionellen Fasnetsbeginn am 6. Januar und nicht wie beim Karneval am 11. November

aus.

Diese einmalige Art des Fasnetsbrauchs ist auch in Schömberg heimisch und in kaum einem anderen Narrenort so stark ausgeprägt. Dies erkannte auch die UNESCO und nahm die schwäbisch-alemannische Fasnet in der Gesamtheit in das Bundesverzeichnis des immateriellen Kulturerbes auf.

Ablauf der schwäbisch-alemannischen Fastnacht

Die schwäbisch-alemannische Fasnet beginnt üblicherweise am Dreikönigstag, dem 6. Januar eines jeden Jahres. In Schömberg wird seit mehreren Jahrzehnten am Vorabend die Generalversammlung der Narrenzunft Schömberg e. V. veranstaltet, auf welcher zum ersten Mal in der neuen Fasnetssaison der Narrenmarsch gespielt wird.

An diesem 6. Januar finden – nicht nur in Schömberg – Veranstaltungen wie das Abstauben statt. Dabei werden die Fasnetshäser vom Vorjahr symbolisch vom Staub befreit. In Rottweil wird dies durch den Narrenrat, in Schömberg durch die Zwanzger gemacht.

In der Zeit nach dem 6. Januar bis zur Fasnet finden Narrentreffen statt. Die Zünfte der Vereinigung schwäbisch-alemannischer Narrenzünfte (VSAN) halten Landschaftstreffen und alle vier Jahre ein Großes Narrentreffen ab. Viele Zünfte veranstalten ihre Narrentreffen im Ort ca. alle zehn Jahre. Der Viererbund (Rottweil, Oberndorf, Elzach & Überlingen) z. B. veranstaltet nur unregelmäßig ihre sog. Narrentag. I. d. R. alle vier, manchmal auch alle drei Jahre. Andere Fasnetsvereinigungen wie z. B. die Ringe veranstalten ähnliche Narrentreffen wie die VSAN, jedoch sind viele Mitgliedszünfte deutlich jünger, kommen teilweise aus deutlich kleinern Ortschaften und die Ringe zählen deutlich weniger Mitgliedszünfte.

Am 2. Februar ist Lichtmess. In vielen Narrenorten geht ab diesem Tag die Vorfasnetszeit richtig los, d. h. die Veranstaltungen nehmen deutlich zu. In Schömberg wurde früher erst ab Lichtmess g’maschgerad.

Am Schmotziga Dauschdig (Donnerstag vor Aschermittwoch) beginnt die offizielle Fasnet. Im Karneval Weiberfastnacht genannt, beginnen vielerorts die fasnächtlichen Aktivitäten wie Umzüge, Zunftbälle usw. Dies ist in jedem Ort unterschiedlich.

Am Freitag danach ruhen aus Respekt vor dem Kreuzestod Jesu üblicherweise alle Fasnetsaktivitäten.

Auch am Samstag ist es vielerorts noch etwas ruhiger, bevor es dann von Sonntag bis Dienstag richtig los geht. Die großen Umzüge und brauchtümlichen Veranstaltungen finden an diesen drei Tagen statt, wobei besonders der Montag in Narrenhochburgen wie Rottweil und Schömberg herausstechen.

In vielen Orten ist am Fasnetsdienstag, dem Dienstag vor dem Aschermittwoch gegen Abend – häufig 18 Uhr – die Fasnet zu Ende. Auch in Schömberg endet das offizielle Programm um 18 Uhr, auch wenn das Narrentreiben bis 23.59 Uhr anhält.

Der Aschermittwoch als erster Fastentag beendet die Fastnacht, die Nacht bevor das Fasten beginnt.

Termin der Fastnacht

Die Fasnet richtet sich, wie viele frühjährlichen Feiertage, nach dem Ostertermin.
Der Aschermittwoch ist 46 Tage vor dem Ostersonntag. Somit beginnt die Fasnet mit dem Schmotziga Dauschdig sechs Tage zuvor.

Der Ostertermin richtet sich nach dem ersten Vollmond im Frühjahr. Der Ostersonntag ist immer am ersten Sonntag, nach diesem ersten Frühjahrsvollmond.

Ostern bzw. der Ostersonntag kann somit frühstens am 22. März und spätestens am 25. April sein. Somit kann die frühste Fasnet bzw. der frühste Schmotzige am 29. Januar bzw. der späteste am 4. März sein.

Die Basler Fasnet findet übrigens eine Woche später statt. Warum das so ist und wie genau sich der Fasnetstermin berechnen lässt, findet Ihr in unserem  Blog.
Die Liste mit allen Terminen des Schmotzigen bis 2050 in unserer  Übersicht.

Ursprünge & Geschichte der schwäbisch-alemannischen Fastnacht

Die Fasnet bzw. Fastnacht, wie schon der Name sagt, ist die Nacht bevor die Fastenzeit beginnt. Vor dem Kühlschrankzeitalter mussten verderbliche Lebensmittel, die während der Fastenzeit nicht verzehrt wurden, aufgebraucht werden, damit sie nicht schlecht wurden. Des Weiteren mussten die letzten Tage vor den 40 Fastentagen nochmals ausgiebig gefeiert werden.

Bis ins 13. Jahrhundert lassen sich fasnächtliche Aktivitäten zurückverfolgen, auch wenn sie vielerorts nicht mit der heutigen Fasnet vergleichbar sind. Es gab Umzüge, Tänze und Aufführungen im Rahmen der Fasnet, bei welchen vor allem die vielen zu verbrauchenden Lebensmittel eine zentrale Rolle spielten.

Viele sich bis heute gehaltenen Abläufe, Symbole und Zeichen belegen, dass die Fasnet einen christlichen Ursprung hat. Hier zu nennen ist die besondere Bedeutung der Zahl 11, welche immer wieder im Rahmen der Fasnet in Erscheinung tritt (11.11., 11.11 Uhr, §11 auf dem Schömberger Husar usw.) und z. B. „über“ den zehn Geboten steht. Die Fasnet war auch eine Auflehnung gegen die Obrigkeit, zu welcher früher die Kirche durchaus gehörte.

Ab dem 17. Jahrhundert wurde aus den früher eher einfachen, teilweise dämonischen Verkleidungen, aufwendigere und feinere Häser, die sich im Laufe der Zeit zu dem entwickelt haben, was wir heute bei den Umzügen zu sehen bekommen.

Im 19. Jahrhundert wurde aus der für veraltet gehaltenen Fasnet der Karneval, ähnlich wie man ihn heute noch kennt, geboren und auch im schwäbisch-alemannischen Gebiet hielt dieser Einzug und verdrängte die Fasnet zunehmend. Erst ein Umdenken in den Orten ließ die typische, traditionelle Ortsfasnet zurückkehren und neue Traditionen bildeten sich.

Während die Fasnet lange Zeit nur im Ort gefeiert wurde, war die Vernetzung untereinander, die für die Gründung der VSAN und somit auch zu ersten Narrentreffen führte. Erst ab Mitte der 1920er Jahre kehrten die Narren für einige Stunden ihrer Heimat den Rücken und präsentierten sich auswärts.

Die Fasnet heute

Die Fasnet heute ist vielerorts sehr traditionell gehalten. Besonders bei den Mitgliedszünften der VSAN und beim Viererbund gibt es klare Linien und Bekenntnisse zum traditionellen Brauchtum. Es wird großen Wert auf die Straßenfasnet gelegt. Diese Traditionen werden mit großem Eifer und viel Engagement gehegt und gepflegt, was diese Fasnet bis heute einmalig und unverwechselbar macht. Für die meisten Zünfte bleibt die Fasnet im Ort die oberste Priorität, auch wenn die Präsentation auf Narrentreffen ein wichtiger Bestandteil für viele Zünfte geworden ist.

Besonders bei den kleinere, eher jüngeren Zünften ist die Fasnacht – auch mangels Wirtshäusern – nicht mehr mit der Fasnet von früher zu vergleichen. Das Event steht für viele im Vordergrund und Zelte mit einem Fassungsvermögen von mehreren Tausend Besuchern sind fast schon normal geworden. Auch heute noch jährlich unzählige „Narrenzünfte“ neu gegründet.

Wie die Entwicklung in Zukunft weitergeht, weiß niemand vorherzusagen, dennoch gibt es viele Menschen im schwäbisch-alemannischen Raum, die ihre Fasnacht leben und lieben und viel dafür tun, damit es auch zukünftig noch viele tolle Tage vor dem Aschermittwoch geben wird.